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1. Leitmotiv
Die katholische Kirche ist ein Teil unserer Gesellschaft und mitverantwortlich für die Menschen in Staat und Gesellschaft. Ihrem Auftrag, jungen Menschen Perspektiven zu eröffnen und Horizonte zu erweitern, will sie mit den „Tagen der Orientierung“ nachkommen.
Auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes bietet das Bistum Dresden-Meißen in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft katholischer Jugend im Freistaat Sachsen (LAGS) und mit Ordensgemeinschaften die „Tage der Orientierung“ (TdO) an.
Bei den „Tagen der Orientierung“ werden junge Menschen in Sinn- und Lebensfragen begleitet, erhalten Orientierungshilfen für ihren weiteren Lebensweg und kommen mit christlich motivierter Jugendarbeit in konfessioneller Trägerschaft in Berührung. Dabei werden Fragen thematisiert, welche Jugendliche beschäftigen.
„Tage der Orientierung“ erweitern neben schulischem Alltag und verschiedensten Formen der Freizeitgestaltung den Erlebnishorizont der Schüler/-innen. Bei thematischen Einheiten und gemeinsam gestalteten Ergänzungsangeboten wird die Lebenswelt der Jugendlichen in den Blick genommen. Den Schüler/-innen werden durch verschiedene methodische Ansätze Bausteine für ihre Lebensgestaltung und Wertorientierung angeboten. Ihre soziale Kompetenz können sie durch persönliche und gemeinschaftliche Erlebnisse erweitern.
2. Status des Angebotes
„Tage der Orientierung“ sind ein unterrichtsbegleitendes Angebot für Schulklassen/Klassenstufen im Sinne einer Schulfahrt oder eines Schullandheimaufenthaltes als Bildungsveranstaltung. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind durch die Verwaltungsvorschrift des SMK zur Durchführung von Schulfahrten (VwV-Schulfahrten), Az: 36-6535.10/41 vom 07.04.2004 geregelt.
Die Seminare sind eine schulische Veranstaltung; die Genehmigung zur Durchführung erteilt der/die jeweilige Schulleiter/-in. Das schriftliche Einverständnis der Eltern ist vorab einzuholen. Schule, Lehrer/ -innen und Bildungsreferenten/-innen arbeiten in der Vor- und Nachbereitung sowie bei der Durchführung von „Tagen der Orientierung“ in einem Team zusammen.
Die Jugendseelsorge im Bistum Dresden-Meißen in Kooperation mit der LAGS ist federführender Bildungsträger bei „Tagen der Orientierung“. Sie vergibt die Termine an die Schulen. Von ihr beauftragte Referent/-innen übernehmen die pädagogische Planung. Sie führen mindestens einen vorbereitenden Schulbesuch durch, um mit Lehrer/-innen und Schüler/-innen inhaltliche und organisatorische Absprachen zu treffen.
Die beauftragten Referent/-innen gestalten die Seminare in den Tagungshäusern. Sie erstellen das Programm von „Tagen der Orientierung“. In ihrem Aufgabenbereich liegen Entscheidungen zur Art und Weise der Durchführung des Angebots.
Die Lehrer/-innen übernehmen die Aufsichtspflicht außerhalb der thematisch gestalteten Einheiten.
Eine Unterstützung von Schüler/-innen, Eltern und Lehrer/-innen bei der Nachbereitung wird von der Jugendseelsorge angestrebt. Die Jugendseelsorge vermittelt nach Möglichkeit Kontakte zu christlichen Einrichtungen mit Angeboten für Jugendliche im Umfeld der Schule.
In Verantwortung der Jugendseelsorge liegt neben der pädagogischen Planung und Durchführung ebenso die Finanzierung des Angebots. Die „Tage der Orientierung“ werden zum wesentlichen Teil durch das Bistum Dresden-Meißen finanziert sowie durch Teilnehmerbeiträge. Weitere Finanzierungsbestandteile sind Drittmittel oder eventuelle Zuwendungen durch das Sächsische Staatsministerium für Kultus. Die finanzielle Abwicklung des Projekts sowie die Verwendungsnachweisführung obliegt der LAGS.
3. Zielsetzung
„Tage der Orientierung“ sind ein Angebot kirchlicher Jugendarbeit, das außerhalb der Schule stattfindet und drei (Montagnachmittag bis Mittwochnachmittag) oder vier Tage (Montagnachmittag bis Donnerstagnachmittag) dauert.
Die „Tage der Orientierung“ sollen den Schüler/-innen einen Raum bieten, sich außerhalb ihrer Alltagssituation mit ihren Lebensthemen zu beschäftigen. Die drei Grundziele sind:
Identität:
Bei den „Tagen der Orientierung“ wird den Jugendlichen die Möglichkeit und der Freiraum geboten, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Sie sollen sich ihrer Entwicklung und ihrer momentanen persönlichen Situation bewusst werden und lernen, ihre Eigenschaften, Stärken und Schwächen zu erkennen, zu akzeptieren und damit umzugehen sowie persönliche Ziele für sich zu formulieren.
Beziehungsfähigkeit:
Durch das mehrtägige Miteinander-Leben außerhalb des Schulalltags erhalten die Schüler/-innen die Möglichkeit, sich besser kennen zu lernen. Es soll das Beziehungsgeflecht in einer Klasse wahrgenommen, dargestellt und eventuell vorhandene Konflikte bearbeitet werden. Dazu werden kommunikative Potentiale gefördert und entwickelt. Ebenfalls werden Einstellungen bezüglich Freundschaft und Partnerschaft thematisiert und reflektiert. Dies beinhaltet auch ein gemeinsames Nachdenken und Kennen lernen christlicher Werte.
Wertorientierung:
In unserem Arbeitsstil und Umgang miteinander, aber auch in uns als Personen sollen Jugendliche erfahren, wie der Versuch aussehen kann, christliche Überzeugungen und gelebten Alltag miteinander zu verbinden. Dabei verstehen wir auch dies in erster Linie als eine Orientierungshilfe. Wir wollen ihnen zeigen, was eine wertorientierte Lebenseinstellung sein kann. Christliche Werte, die in Europa alltäglich sind und die abendländische Kultur sollen dabei eine Rolle spielen. Die Schüler/-innen sollen erkennen, welche Werte ihr Handeln bestimmen.
4. Zielgruppe
Die „Tage der Orientierung“ sind eine Einladung an Schüler/-innen eines Klassenverbandes (oder einer Klassenstufe) unabhängig von deren Religions- und Konfessionszugehörigkeit. Die Schüler/-innen entscheiden sich freiwillig für das Angebot.
Um mit den Schüler/-innen gut arbeiten zu können, wird der Träger die Situation der Teilnehmer/-innen im Vorfeld wahrnehmen und sich damit auseinander setzen.
„Tage der Orientierung“ sind ein Angebot für Schüler/-innen ab der 9. Klasse, primär der Mittelschulen. Dieses Lebensalter ist bei dem überwiegenden Teil der Jugendlichen durch erhebliche psychische und soziale Veränderungsprozesse geprägt. So nimmt die Bindung zur Gleichaltrigengruppe zu, während die Bindung an die Herkunftsfamilie stetig abnimmt. Für Schüler/-innen, die vor dem Abschluss ihrer Schulzeit stehen, kommt häufig als Anforderung hinzu, eine Perspektive und Lebensaufgabe für ihre Zukunft zu finden. Zentrale Lebensaufgaben wie Identitätsbildung und Berufswahl, Schulabschluss und Ausbildungsbeginn sowie zunehmende Möglichkeiten individueller Freizeitgestaltung werden ab diesem Alter für den Lebensalltag bestimmend. Durch diesen Wandel der Lebenswelt eines jungen Menschen treten Fragen auf und werden Antworten gesucht.
5. Pädagogische Grundsätze
Es gibt Rahmenbedingungen und Prinzipien, die positive Lernsituationen und ein gemeinschaftliches Zusammenleben fördern und der Arbeit beim Angebot der „Tage der Orientierung“ zugrunde liegen.
Freiwilligkeit
Die Teilnahme ist freiwillig und wird von jedem/jeder Schüler/-in persönlich getroffen. Wichtiges inhaltliches Kriterium dafür ist, ob sich der/die Einzelne auf die Lernerfahrung mit den Anderen zu den gewählten Themen einlassen kann und will, und dies zu den räumlichen und zeitlichen Bedingungen des Angebotes. Der Anspruch, sich persönlich ansprechen und anfragen zu lassen, setzt eine freiwillige Entscheidung und Teilnahme voraus, da das Angebot von der Offenheit und der persönlichen Beteiligung lebt. Gleichzeitig wird die durchgängige Anwesenheit und die Einhaltung von Regeln und Absprachen erwartet.
Persönliches Lernen und Prozessorientierung
Im Mittelpunkt stehen die Schüler/-innen mit ihren Fragen und Problemen. Das bedeutet, dass die „Tage der Orientierung“ nicht nur dann als erfolgreich bezeichnet werden, wenn bestimmte Inhalte vermittelt worden sind. Der Maßstab ist vielmehr, wie sehr es gelingt, den Themen der Jugendlichen und damit ihnen selbst näher zu kommen und auf das einzugehen, was aktuell in der Gruppe und bei Einzelnen geschieht. Jede Einheit während der „Tage der Orientierung“ wird deshalb gruppenspezifisch vorbereitet und prozessorientiert reflektiert. Deswegen ist die Kleingruppe bevorzugte Arbeitsform.
Ganzheitlichkeit
In der inhaltlichen und methodischen Gestaltung geht es nicht nur darum, kognitive Zugänge zu schaffen, sondern die mehrdimensionale Aufnahme- bzw. Wahrnehmungsfähigkeit der Schüler/-innen anzuregen. Unter anderem durch Sinnesübungen, erlebnispädagogische Methoden, nonverbale Kommunikationsformen sowie durch kreativ zu bewältigende Aufgaben erleben die Jugendlichen sich und die andern oft auf intensivere Weise, als der Schulalltag dies zulässt.
Gender mainstreaming
Für Jugendliche spielt auch die Auseinandersetzung mit ihrem Selbstverständnis als Frau bzw. als Mann eine zentrale Rolle. In geschlechtsbezogenen Gruppen ist je nach Thema ein offenerer und intensiverer Austausch möglich.
Mitbestimmung und Partnerschaft
Persönliches Lernen lässt sich nur erreichen, wenn die Interessen der Schüler/-innen der Programmplanung und -gestaltung zugrunde gelegt worden sind. Mitbestimmung erschöpft sich nicht darin, die Jugendlichen das Thema für die „Tage der Orientierung“ beim Schulbesuch entscheiden zu lassen. Mitbestimmung ist ein Gestaltungsprinzip, das im Verlauf der Veranstaltung immer wieder wichtig wird: Bei der gemeinsamen Klärung der Umgangsregeln, den Vereinbarungen zur Gestaltung bestimmter Tageszeiten und – als zentraler Bestandteil der Prozessorientierung – im gemeinsamen Weiterentwickeln der thematischen Arbeit im Verlauf der „Tage der Orientierung“. Partnerschaftliche Leitung bedeutet jedoch nicht das Aufgeben der Leitungsverantwortung des Teams, sondern der transparente Umgang damit.
Teamarbeit
“Tage der Orientierung“ werden von einem Team geleitet. Schon diese Tatsache bringt für manche Schüler/-innen eine neue Erfahrung mit sich. Die Arbeit im Team bietet nicht nur der Leitung eine Reihe von Vorteilen, sondern zeigt auch den Jugendlichen eine alternative Weise, wie Bildungs- und Lernprozesse vermittelt werden können. Darüber hinaus spricht ein Team, in dem verschiedene Personen mit ihren unterschiedlichen Merkmalen wirken (Geschlecht, Alter, Ausbildung, Temperament), die unterschiedlichen Schüler/-innen besser an. Nicht zuletzt kann gute Teamarbeit Vorbildcharakter für einen sozialen und kooperativen Umgang haben.
Reflexivität
Durch gezielte und methodische vielfältige Reflexionselemente werden sich die einzelnen Teilnehmer/-innen und auch das Leitungsteam ihrer individuellen Situation und des Gruppengeschehens bewusst. Durch das wiederholte Bedenken von Gruppenprozessen, den Beziehungen untereinander, des gemeinsamen Handelns und der Entwicklung der Gruppe wird das Gruppengeschehen neu gestaltbar. Reflexion wird als Modell für ein gelingendes Leben verstanden.
Ökumene
Auch wenn „Tage der Orientierung“ ein Angebot der Katholischen Kirche ist, sind die ökumenische Gastfreundschaft und die Offenheit gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen wichtige Elemente. Gerade in der Begegnung mit anderen Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen erschließt sich ein Lernfeld für soziale Kompetenz und Toleranz.
7. Planung und Durchführung
„Tage der Orientierung“ kann in der Regel eine Schulklasse mit ihren begleitenden Lehrer/-innen nutzen. Idealvorstellung der Gruppengröße sind 20-30 Schüler/-innen.
Die Klasse kann sich zwischen einem Drei- und Viertagemodell entscheiden.
Die „Tage der Orientierung“ beginnen jeweils Montagnachmittag und enden Mittwochnachmittag / Donnerstagnachmittag. Sie finden normalerweise in einem kirchlichen Jugendbildungshaus statt, z.B. in der katholischen Jugendbildungsstätte Winfriedhaus Schmiedeberg (Tal Naundorf 29, 01762 Schmiedeberg, Tel: 035052/ 23 30) oder dem Jugend- und Familienbildungshaus Wechselburg (Markt 10, 09306 Wechselburg, Tel: 037384/ 808 13) in Trägerschaft des Benediktinerklosters Wechselburg.
Exemplarisch soll an dieser Stelle der Ablauf von „Tage der Orientung“ dargestellt werden.
Im Vorfeld
Interessierte Lehrkräfte setzen sich mit dem Träger (Kontakt: Sekretariat der Jugendseelsorge im Bischöflichen Ordinariat Dresden) in Verbindung. Der Träger gibt dann grundsätzliche Informationen für Klasse, Lehrkräfte und Schulleitung, damit diese sich besser für oder gegen das Angebot entscheiden können. Der Träger stellt dann den Kontakt zu der/dem leitenden Referentin/-en her, der alle weiteren Absprachen trifft. Diese besprechen alle Zuständigkeiten (Teilnahme an den Arbeitseinheiten, Aufsichtspflicht, Bettruhe, etc.) und treffen weitere Absprachen.
Der Schulbesuch
Einige Wochen vor der Veranstaltung findet ein Vorgespräch des/der leitenden Referenten/-in mit den Schüler/-innen statt. Es empfiehlt sich für dieses Vorgespräch eine Doppelstunde im Rahmen des Unterrichts zur Verfügung zu stellen.
Neben dem ersten Kennenlernen von Schüler/-innen und Referenten/-in stehen dabei die Information zu „Tagen der Orientierung“, die Themenwahl und die Absprache der Rahmenbedingungen im Mittelpunkt. Die betreuende Lehrkraft steht dem Team bei klassenspezifischen Fragen beratend zur Seite.
Anmeldung der Schüler/-innen
Die Anmeldung der Schüler/-innen erfolgt über die betreuende Lehrkraft.
Begleitende Lehrkräfte
Damit Orientierungstage gelingen können, ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Lehrerinnen und Lehrern und dem Leitungsteam von großer Bedeutung. Raum für die Kooperation bieten das Vorgespräch in der Schule, das täglich stattfindende Lehrergespräch sowie das informelle Zusammensein zwischen Lehrerinnen, Lehrern und Leitungsteam.
Kooperation heißt hier: Die begleitenden Lehrkräfte sind zwar nicht an der Gruppenarbeit am Vor- und Nachmittag beteiligt, aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichten im Lehrergespräch vom Verlauf der Gruppenarbeit und sprechen mit den Lehrkräften über Hintergründe zur Schul- und Klassensituation.
Die Lehrkräfte kümmern sich primär im Freizeit- und Abendbereich um die Schülerinnen und Schüler. Bei auftauchenden Problemen und Konflikten ist es notwendig, dass sie gemeinsam mit dem Leitungsteam eine Lösung suchen.
Allgemeiner Ablauf
Die Anreise erfolgt am Nachmittag des ersten Tages und endet am Nachmittag des dritten oder vierten Tages.
Die thematische Festlegung durch die jeweilige Gruppe und das prozessorientierte Arbeiten geben jeder Veranstaltung ihren eigenen Charakter und inhaltlichen Verlauf.
Darüber hinaus gibt es Strukturen und Elemente, die den Zielen der „Tage der Orientierung“ und dem Phasenverlauf von Gruppen entsprechen und den Ablauf gliedern.
8. Mitarbeiter/-innen
Das Angebot „Tage der Orientierung“ wird zentral von der Jugendseelsorge des Bistums Dresden-Meißen koordiniert. Dabei wird sie vom Fachpersonal der LAGS unterstützt, die nach Vereinbarung Teile der Aufgaben übernehmen. Zu den Aufgaben zählen die Herstellung und Aufrechterhaltung der organisatorischen Rahmenbedingungen (Hausbelegung, Referentenplanung, Erstellen eines Kosten- und Finanzierungsplan, Abrechnung bzw. Führen des Verwendungsnachweises), der Kontakt zu den Schulen, die Begleitung der Referenten/-innen in den Regionen, die Gewinnung und Begleitung von studentischen Honorarmitarbeiter/-innen und Praktikant/-innen, der fachliche Austausch mit anderen Trägern ähnlicher Projekte sowie die konzeptionelle Weiterentwicklung des Angebots unter Beteiligung der seminarleitenden Referent/-innen.
Als hauptverantwortliche Referent/-innen für die pädagogische Planung, Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von „Tage der Orientierung“ stehen hauptamtliche Mitarbeiter/-innen zur Verfügung, die durch das Bistum Dresden-Meißen benannt werden. Sie werden unterstützt durch weitere Haupt-, Neben- und Ehrenamtliche.
Dresden, 3. Juni 2008